Impuls zum 22. März 2026
Von Odilo Metzler (Stuttgart), pax christi-Bundesvorsitzender
Auf(er)stehen gegen den Tod
1. Lesung: Ez 37,12b-14 Ich hole euch aus euren Gräbern heraus
2. Lesung: Röm 8,8-11 Er wird euch lebendig machen durch seinen Geist
Evangelium: Joh 11,1-45 Da weinte Jesus
Gedanken zur ersten Lesung und zum Evangelium
Es gibt eine Verzweiflung, eine Resignation, eine Gewöhnung, die zum Tod führt. In der Lesung beschreibt der Prophet Ezechiel das Volk, das deprimiert und entwurzelt im Exil lebt, als ein Gräberfeld mit toten Gliedern und Knochen, Menschen ohne Hoffnung und Perspektive.
Viele Menschen empfinden die immer neuen Kriege, die Bedrohungspropaganda und die immer stärkere Militarisierung und Aufrüstung als gefährdete Zukunft, als eine Welt, die auseinanderfällt und in der arme und schutzlose Menschen immer mehr unter die Räder kommen. Papst Leo forderte kürzlich die Regierungen auf, den Mut zu finden, „Projekte des Todes aufzugeben und das Wettrüsten zu stoppen“.
Zur Kultur des Todes gehört auch, dass Milliardäre mit obszönem Reichtum Einfluss auf die Medien und die Politik nehmen, dass die politische Ordnung vor allem diesen Reichtum schützt und dass die Menschen, die sich vom Abstieg bedroht sehen oder davon betroffen sind, sich Parteien zuwenden, die gegen Fremde und noch Schutzlosere treten. Diese Kultur des Todes droht zunehmend die demokratischen Ordnungen, Toleranz und offene Gesellschaften zu zerstören.
In der Lesung wird der Prophet Ezechiel zur Hoffnungsgestalt, über die Gott seinem Volk zusagt, dass er es aus der Todeskultur herausholt: Ich hole euch aus euren Gräbern herauf. Ich gebe meinen Geist in euch, dann werdet ihr lebendig. Dann werdet ihr erkennen, dass ich der HERR bin.
Und im Evangelium beschäftigt mich, dass Jesus angesichts des Todes des Lazarus und des Leids von Marta und Maria „im Innersten erregt und erschüttert“ ist und weint. So wird er zum Anwalt des Lebens angesichts des Todes.
Ich denke, dass es dieses Berührtsein, diese innere Erschütterung braucht, damit wir aus der Kultur des Todes in eine Kultur der Solidarität, des Mitgefühls und des Lebens auf(er)stehen können. Wo Menschen die Opfer der Todeskultur sehen und aufstehen gegen Kriege, Armut, Hunger, Vertreibung und Gewalt, wird Gottes Geist wirksam. So ist Ostern kein äußeres Geschehen, sondern die innere Berührung, die Kraft und Mut gibt zum Aufstehen für das Leben in einer Welt des Todes.
Die Waffen der Liebe
Wenn wir unser Land verteidigen, dann tun wir dies friedlich. Wir tragen keine Waffen: Wir tragen die Waffen des Guten, des Friedens, der Liebe und des Gebets. Alle himmlischen Religionen rufen zum Frieden auf. Deshalb müssen wir unser Land bewahren und standhaft bleiben. Wir wissen, dass diese Gegend heute gefährlich ist, aber ich bin bereit, in meinem Haus zu sterben, denn es ist mein Zuhause. Wir sind gezwungen, in Gefahr zu bleiben, denn dies sind unsere Häuser, und wir werden sie nicht zu einem offenen Feld für jedermann werden lassen. Wisst ihr, Brüder und Schwestern, es gibt einen Weg des Leidens: Unser Herr geht dem Tod entgegen, aber nach dem Tod kommt die Auferstehung mit unserem Herrn Jesus Christus, siegreich und auferstanden von den Toten.
P. Pierre Al-Rahi, maronitischer Pfarrer in Qlayaa im Südlibanon, der am 9. März 2026 bei einem Seelsorgebesuch durch einen israelischen Bombenangriff getötet wurde.
Schweigen für den Frieden – Zwischenruf
Genug der Kriegsnachrichten.
Das ist nicht mehr auszuhalten.
Wir können eh nichts daran ändern.
Zumachen, wegschauen. Sprachlos werden.
Ausweichen. Ablehnen.
Panzer anlegen, sich schützen.
Doch der Krieg verschwindet trotzdem nicht.
Trotzdem
Wieder hinschauen
Sich nicht abfinden
Einüben, neu anzusetzen
Aus dem Eigenen heraustreten
Sich dem Blick aussetzen und standhalten
Sich bewegen lassen
Geschichten hören
Verstehen und nicht verstehen
Menschen im Gegenüber erkennen
Sich berühren lassen vom Schmerz und Leid der Anderen
Beziehungen entstehen lassen
Immer noch ohnmächtig
Doch nicht mehr wegschauen
Der eigenen Verwobenheit nachgehen
Zusammenhänge entdecken
Sich nicht von der Ohnmacht dumm machen lassen
Mit anderen zusammen stehen
Gemeinsam aushalten
Schreie der Ertrinkenden im Meer
Zu frühes Sterben
Wut Protest Europa, wo bist Du?
Der Stille Raum geben
Beten
Liebe, die drängt
Auf das Schweigen hören
Verbundenheit aller wahrnehmen
Unrecht Unrecht nennen
Freude an der geteilten Erfahrung
Sichtbar machen und sichtbar werden
Einstehen für den Frieden
Pirmin Spiegel, 2020